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27.07.2008 20:36 Alter: 11 yrs

swissalpine k78 – knapp am Podest vorbei

Nach einer alles anderen als optimalen Vorbereitung konnte ich bei meiner ersten Teilnahme am swissalpine von Davos in der Königsdistanz über 78.5 km und 2320 Höhenmeter (rauf 2320 m und wieder 2320 m runter) den guten vierten Rang feiern.


kurzes Interview vor dem Start

kurzes Interview vor dem Start

Starschuss ist erfolgt

Starschuss ist erfolgt

Verpflegung in Filisur

Verpflegung in Filisur

trinken nicht vergessen

trinken nicht vergessen

Güteltasche mit Flüssignahrung in Bergün

Güteltasche mit Flüssignahrung in Bergün

endlose Weite vom Dürrboden

endlose Weite vom Dürrboden

endlich der Zieleinlauf

endlich der Zieleinlauf

mein Super-Coach

mein Super-Coach

müde aber zufrieden

müde aber zufrieden

verdiente Massage

verdiente Massage

Ich habe mich für die Teilnahme am swissalpine nach der verletzungsbedingten Aufgabe am Bieler kurzfristig entschieden. Ich wollte unbedingt noch ein gutes Rennen über eine lange Distanz laufen, damit der ganze Trainingsaufwand für den Bieler doch nicht ganz umsonst war. 

Vorbereitung

Leider zeigte sich aber die Vorbereitung als sehr schwierig. Seit der Aufgabe in Biel leide ich an einer hartnäckigen Entzündung am Bein. Das bedeutete Folgendes für die verbleibenden 7 Wochen Vorbereitung:

  • 1 Woche mit dem Training aussetzen
  • Trainingsumfang wieder leicht steigern
  • Die Hälfte der Trainingseinheiten auf dem Bike absolvieren
  • Bergläufe zu Fuss hinauf und dann mit der Bahn wieder runter
  • Kein Training in schwierigem Gelände
  • Keine Läufe länger als 60 min.
  • Intervalltraining auf dem Laufband mit 12° Neigung 

Dies führte dazu, das ich von der sehr guten Form welche ich am 15.6.08 hatte, von Woche zu Woche ein wenig einbüsste. Die Entzündung brachte ich trotz dem eingeschränkten Trainingsumfang leider nicht ganz zum verschwinden. 

Das Rennen

Video

05:00 Der Wecker meldet sich. Wir (ich und mein Coach Mirjam) haben uns entschieden, erst am Renntag nach Davos zu fahren. Deshalb gilt es früh aufzustehen. Wir haben am Vortag alles optimal vorbereitet. Wir streichen noch einige Honigbrote und los gehts mit dem Auto nach Davos. Gefrühstückt wird im Auto.

 

Um ca. 6:45 treffen wir in Davos ein. Des Wetter scheint optimal zu sein. Angenehme Temperatur und der Himmel leicht bedeckt. Mein Coach holt mir die Nummer und ich kann mich in aller Ruhe auf das Rennen vorbereiten. Wir besprechen nochmals die Details mit der Verpflegung. Jetzt geht’s zum Startgelände. Ein TSO–Reporter bittet mich um ein kurzes Interview (Gebe ich natürlich gerne). 

07:50 Ich stelle mich mit meiner Startnummer 9 neben die Startlinie. Nochmals versuche ich mich zu konzentrieren und nehme mir fest vor, nicht zu schnell zu starten. 

08:00 Der Startschuss ist gefallen. Jetzt geht es die ersten 5 km auf Asphalt durch Davos, vorbei an vielen applaudierenden Zuschauern. Das Tempo ist seit Beginn sehr hoch. Mein Puls steigt schon jetzt über meine Vorgaben. Da kommen meine ersten Zweifel über meine nicht optimale Form. Bei der ersten Steigung nach 7 km lasse ich deshalb von der Spitzengruppe abreissen und laufe alleine weiter.

Danach geht es in coupiertem Gelände rauf und runter Richtung Filisur. Mit 02:04:13 belege ich dem 6. Zwischenrang nach gut 30 km. Ich bin aber schon müde und meine Beine schmerzen vom runterlaufen. Ernsthafte Zweifel kommen auf ob ich das ganze Rennen durchstehen kann. Ich versuche, meine Gedanken positiv zu sammeln und laufe Richtung Bergün weiter.

Ein erster Motivationsschub erlebe ich kurz vor Bergün, ich überhole Patrik Brenner. Somit laufe ich auf Position 5 in Bergün ein. Hier erwartet mich mein Coach und übergibt mir die Flüssignahrung in einer Gürteltasche, welche bis zum Ziel reichen muss. Der Durchlauf in Bergün bei 39.2 km ist dann aber ein absolutes Highlight. Hunderte von Zuschauern säumen die Hauptstrasse und applaudieren lautstark. Ich bekomme Gänsehaut. Unter Ihnen meine Schwägerin Petra und ihr Mann Köbi.

 

Nachher folgen wieder einsamere Kilometer, denn der schier endlose Aufstieg zur Keschhütte auf 2663 m steht mir bevor. Ich versuche so gut es geht meinen Rhythmus zu laufen und alle negativen Gedanken zu verdrängen. Das Gelände ist jetzt zum Teil so steil, dass rennen nicht mehr möglich ist. Ich versuche deshalb mit möglichst schnellen Gehen den Berg hinauf zu kommen. Bei ca. km 47 sehe ich einen Läufer mit ca. 2-3 Minuten Vorsprung. Dies gibt natürlich wieder Kraft und Motivation, den Rhythmus möglichst hoch zu halten. Ich spüre, dass ich dem Läufer immer ein wenig näher komme. Es ist Moritz Boschung. Ich kann zu ihm aufschliessen und ihn auch gleich distanzieren. Jetzt laufe ich auf Position 4.  

Wenig später erspähe ich einen weiteren Läufer vor mir. Es ist der Finne Raittila Anssi. Kurz vor der Keschhütte kann ich ihn ebenfalls überholen und ich laufe somit bereits auf Position 3.  

Die Keschütte erreiche in nach 52.9 km in einer Zeit von 4.14.52 h. Jetzt folgt ein nicht enden wollender Singletrail über den Scalottapass bis zum Dürrboden. Bei diesem schwierigen Gelände und dem starken Gefälle kommt mein Defizit der absolut nicht vorhandenen Trainingskilometern auf solchem Terrain voll zum Vorschein. So kam es wie es wohl kommen musste. Fuchser René überholte mich auf dem Singletrail ein und liess mich auch gleich stehen. Das war sehr hat. Lief ich doch jetzt auf der unglücklichen Position 4.

Km 64.4 Dürrboden ist endlich erreicht. Die Wege sind wieder angenehmer zu laufen. Aber meine Muskulatur ist ziemlich dahin. Starke Krämpfe in den Waden machen mir schwer zu schaffen und es geht noch 15 km bis Davos. Der Gedanken auf Position 4 zu laufen bereitet mir etwas Mühe. Ich versuche die etwa 3 Minuten Rückstand zu Fuchser René gut zu machen. Langsam, aber kontinuierlich kann ich Zeit gut machen. Bei km 75 sind es nur noch gerade 50 Sekunden Rückstand. Ich musste aber einsehen, dass es nicht mehr reichen wird. Ich geben den Kampf um Rang drei auf.  

Jetzt folgt der Zieleinlauf ins Sportzentrum von Davos. Ich geniesse die grosse Menschenmenge, die mich auf der Stadionrunde ins Ziel feuert. Ich habe es geschafft! Rang 4. Und schon kommen die Gedanken - was wäre wohl möglich gewesen bei einer optimalen Vorbereitung??? 

Aber ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und habe jetzt ein Resultat, auf das ich stolz sein kann.

Video



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